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Wie Schreiner ausstellen

Wo der Schreiner zum Verkäufer wird, geht es bisweilen auch darum, sich und seine Möbel buchstäblich ins beste Licht zu rücken, eine Eigenschaft, die dem Macher vielfach überhaupt nicht liegt. Doch flunkern wäre der falsche Weg – Authentizität ist gefragt.


Weil die Werkstatt nur in den seltensten Fällen der passende Rahmen zum Präsentieren von Wohlfühlräumen ist, liegt die betriebsinterne Ausstellung auf der Hand. Wird diese gestaltet, sind Schreiner oft vom Wunsch getrieben, nicht mehr als reiner Produzent, sondern ebenfalls als Anbieter von Gesamtlösungen wahrgenommen zu werden. Raumkonzepte statt Einzelstücke lautet dann die Devise.

Weil eine Ausstellung das handwerkliche Können direkt sichtbar macht, sollte diese zielgerichtet, ansprechend gestaltet und vor allem authentisch sein.


In drei Betrieben nachgefragt

Auf den folgenden Seiten lässt die Schreiner Zeitung in drei unterschiedlich ausgerichtete Betriebe einblicken: Schreiner Caviezel aus dem Berner Kirchenfeldquartier besitzt ein Schaufenster direkt an der Hauptstrasse. Darin inszeniert der gebürtige Bündner von Zeit zu Zeit seine neuesten Kollektionen. Knackige Wortspiele auf den UV-geschützten Schaufensterscheiben ziehen die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich.

Die Rolf Zürcher AG aus Pfäffikon am Zürichsee setzt den Fokus auf durchdachte und ungewöhnliche Details. In der Ausstellung setzt sie diese gekonnt in Szene. Privatkunden können sich hier ein Bild von zeitgemässen Raumlösungen machen.

Bei Marcel und Fränzi Heller von der Bürgisser AG in Oensingen verschmilzt die Ausstellung mit der Privatwohnung. Das Konzept ermöglicht dem Kunden, die Einrichtung gleich in der Anwendung zu beurteilen – und verhilft der Familie hie und da zu einer neuen Wohnumgebung. Mit gezielten Anlässen wird der Showroom bei der Familie Heller zur Begegnungszone.


Wo Buchstaben wirken

Das Schaufenster an der Berner Thunstrasse fällt ins Auge, nicht, weil es besonders gross wäre, und nur zum Teil, weil es sich gleich gegenüber der Tramhaltestelle befindet. Auffallend ist die Art und Weise, wie Schreiner Caviezel seine Möbel in Szene setzt. Zurzeit steht da «prakTisch» in hohen, geplotteten Lettern an die Scheibe geschrieben. Dahinter steht ein Tisch. Er wurde in den Werkstätten im dahinter liegenden Innenhof hergestellt.


Der Kontakt zum Kunden

Claudio Caviezel sieht sich als Mittler zwischen Auftraggeber und dem Werkstoff Holz. «Das Schaufenster ist mein Kommunikationsrohr», sagt er. Aus diesem Grund investiert er zuweilen schon mehrere Stunden in die Gestaltung. Das sei schliesslich sein Hobby, erklärt er. Und ergänzt: «Meistens bestehen die Beschriftungen aus abgewandelten Gedichten, oft lediglich aus zwei, drei Wörtern.» Diese korrespondieren immer mit dem ausgestellten Gegenstand, nehmen oft Bezug auf das Schreinerhandwerk, oder sind manchmal auch ganz politisch, zuweilen provokativ, unter Umständen sehr tiefgründig wie in seinem persönlichen Lieblingsfenster. Es zeigt einen Scheitstock mit Beil, darauf steht ein Hahn. Im Hintergrund hängen die Noten der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. «Die Musik sowie die Darstellung der Szene berühren mich zutiefst», meint Caviezel dazu. Die Inszenierung erschien passend zu Ostern.

Das Ziel der gestalteten Fenster sei es jeweils, zum Denken anzuregen. Zwar könne man nicht genau sagen, wie viele Kundenkontakte dadurch entstünden. «Wenn aber etwas Provokatives da hängt, erhalte ich jeweils einige Telefonanrufe.» Auch sonst helfe ein Schaufenster, sich im Gespräch zu halten. Zum Beispiel der kleine Schaukasten in der Berner Innenstadt, den Claudio Caviezel stets aktuell hält. Er werde schon mal auf Inhalte angesprochen, die bereits Jahre zurückliegen. Die Wirkung scheint nachhaltig zu sein.


Unterschiedlicher Rhythmus

In erster Linie witzig war eine Schaufenstergestaltung, bei der es um Fussball ging. «Wir bleiben am Ball», stand da einige Wochen lang geschrieben. Als die Nationalelf dann aus dem WM-Turnier ausschied, kam in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein Wort hinzu: «Wir bleiben weiterhin am Ball», hiess es dann. Was wohl bedeuten mochte, dass Schreiner weitermachen, auch wenn sie mal eine Niederlage einstecken.

Am Ball zu bleiben ist für Claudio Caviezel auch wichtig, wenn es um die Aktualität geht. Im Schnitt gestaltet er sein Schaufenster jeden Monat neu. Wenn in der Welt viel passiert, kann der Erneuerungsrhythmus schon mal schneller sein. Gerade bei politischen Ereignissen greift der Möbelschreiner gerne in den Setzkasten und kreiert Sprüche, die sitzen, zum Beispiel, als Christoph Blocher vor zehn Jahren anstelle von Ruth Metzler in den Bundesrat gewählt wurde. «Wer ist auf meinem Stühlchen gesessen», war für kurze Zeit auf dem Schaufenster zu lesen, ein Zitat aus dem Märchen «Schneewittchen». Und wenn es ums Sitzen geht, darf der physische Holzstuhl nicht fehlen – eventuell aus eigener Produktion.

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